'Kirche in der Stadt' und 'Kirche für die Stadt'
In der Stadtkirche am Marktplatz - mitten im Herzen der Stadt - ist die evangelische Gemeinde aus der Alt- und Mittelstadt beheimatet. Durch die zentrale Lage - in direkter Nachbarschaft zum Rathaus - ist die Stadtkirche jedoch stets mehr als "nur" Gemeindekirche, sondern zieht mit ihren gottesdienstlichen und kulturellen sowie kirchenmusikalischen Angeboten Menschen aus der Stadt und darüber hinaus an.
Auch die Cityarbeit Karlsruhe bietet Veranstaltungen hier an.
Für die Evangelische Landeskirche in Baden ist die Stadtkirche von besonderer Bedeutung, weil sie außerdem die Predigtkirche ("Bischofskirche") der badischen Landesbischöfin Heike Springhart ist. In dieser Kirche wurde 1821 die "badische Union" beschlossen - die Geburtsstunde der Ev. Landeskirche in Baden.
Der Plan für eine (neue) Kirche
Die Stadtkirche war nicht die erste Kirche, die in Karlsruhe errichtet wurde. An der Stelle der heutigen Pyramide, dem Grab des Stadtgründers Karl Wilhelm von Baden, wurde zunächst die Konkordienkirche errichtet. Nachdem die Bevölkerung in Karlsruhe in den 1760er Jahren zunahm, wurde um 1790 ein Architekturwettbewerb mit dem Ziel eines Plans für die Neuordnung und Erweiterung Karlsruhes ausgerichtet. Nach längeren Diskussionen setzte sich der klassizistische Entwurf von Friedrich Weinbrenner durch.
Die Architektur
Die Evangelische Stadtkirche wurde nach Plänen des berühmten Karlsruher Architekten Friedrich Weinbrenner (1766 - 1826) als Kathedralkirche des Landes Baden nach Weisungen von Großherzog Karl Friedrich (1746 - 1811) erbaut. Die Grundsteinlegung erfolgte am 8. Juni 1807, die Einweihung der Kirche am 2. Juni 1816 (Pfingsten).
Weinbrenner gestaltete die Kirche nach dem Vorbild eines griechischen Tempels, auf einen Glockenturm bestand der Großherzog höchstpersönlich. Die Vorhalle mit sechs korinthischen Säulen nimmt Bezug auf den Mittelrisalit des (gegenüberliegenden) Rathauses.
Zerstörung und Wiederaufbau
Eingeweiht wurde die neuerrichtete Kirche am 30. November 1958 vom damaligen Landesbischof Bender. Entsprechend der Tradition ist der Bauherr das Land Baden-Württemberg, lediglich der Betrieb und die Inneneinrichtung obliegt der Kirchengemeinde.
Im Rahmen des Wiederaufbaus erhielt die Stadtkirche ein neues Geläut. Die fünf Glocken wurden bei der Firma Bachert gegossen.
→Das neue Geläut der Stadtkirche (Video) Ein Beitrag aus dem Karlsruher Monatsspiegel von 1958 über das neue Geläut der Stadtkirche Karlsruhe
So klingen die Glocken der Stadtkirche heute.
Die Neugestaltung des Innenraums
Der Innenraum wurde neu gestaltet; lichter, weiter, ein Durchbruch der Stirnwand, in der jetzt der Altar steht, keine Bilder und Statuen, leichte Säulen statt der ursprünglichen korinthischen Säulen.
Das Kreuz und das Taufbecken wurden von O.H. Hajek gestaltet.
Ein Lichtband entlang der Längswände zieht den Blick nach oben.
Auf durchgehende Emporen wurde - anders als vor der Zerstörung - verzichtet, wodurch der Kirchenraum 'offener' wirkt.
Die Decke ist gewölbt statt der ursprünglichen Kassettendecke. Entsprechend des Baustiles der 50er Jahre wird das Material gezeigt: Stein, Beton, Holz, Stahl, Leder.
Die Orgeln
Die Rémy-Mahler-Orgel bietet mit ihrer elsässisch-barocken Klangfarbe wunderbare Solostimmen und französische Klänge, während die Steinmeyer-Orgel mit ihrem warmen und milden Timbre für romantische Musik hervorragend geeignet ist.
Weitere Informationen zu den Orgeln finden sie auf der Homepage zur Musik an der Stadtkirche.
Die Krypta - heutiger Ausstellungsraum
Die Krypta diente ursprünglich als Grablege der Großherzoglichen Familie. Die Särge wurden 1946 in die großherzogliche Grabkapelle im Hardtwald überführt, weil ein Sarg aufgebrochen worden war. Im Gewölbe unter dem Portikus finden sich die sterblichen Reste des Erbauers Friedrich Weinbrenner. In dieser Gruft sind auch Gedenktafeln für den Augenarzt, Schriftsteller und Berater des Großherzogs, Jung-Stilling, und für den ersten Pfarrer an der Stadtkirche, Gottlieb August Knittel, zu finden. 1991 wurde die Unterkirche durch das Land als Ausstellungsraum hergerichtet. So hat sich die Möglichkeit ergeben - zumeist in Verbindung mit Veranstaltungen in der Stadtkirche - Ausstellungen durchzuführen.










