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| Im Anfang war das Wort | |||||
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Im Anfang war das Wort, und das Wort war bei Gott,
und Gott war das Wort. Dasselbe war im Anfang bei Gott. Alle Dinge sind
durch dasselbe gemacht, und ohne dasselbe ist nichts gemacht, was gemacht
ist. In ihm war das Leben, und das Leben war das Licht der Menschen.
Und das Licht scheint in der Finsternis, und die Finsternis hat's nicht
ergriffen. I. Im Anfang, liebe Gemeinde, war das Wort. Das ist eine kühne Feststellung.
Ohne dieses Wort, ohne dieses eine Wort Gottes, wäre immer noch
nichts. "Und Gott sprach: Es werde Licht! Und es ward Licht."
"Im Anfang war das Wort, und das Wort war bei Gott, und Gott war
das Wort. Dasselbe war Dies wiederum ist ein Beispiel für die Macht des Wortes. Worte erklären nicht nur, offenbaren nicht nur einen Sachverhalt, sie können ihn auch verschleiern, beschönigen, verdrehen. Wenn jemand besonders gut mit Worten umgehen kann, dann sagen wir, er sei wortgewaltig. Mit Worten wird Macht ausgeübt. Worte sind darum wirkmächtig. Sie schaffen Wirklichkeiten. Es gibt Worte, in denen können wir uns regelrecht unterbringen. Sie tun uns mächtig wohl. Wenn einer zu uns etwa sagt: "Das hast du gut gemacht!" Wenn zu uns jemand sagt: "Du bist mir recht! Ich liebe dich!" Dann schmiegen wir uns in diese Worte hinein, lassen uns von ihnen bergen wie ein Vogel in seinem Nest. Fehlen hingegen solche Worte der Anerkennung und der Zuneigung, dann sind wir unbehaust. Wenn keiner mehr ein gutes Wort für uns übrig hat, dann fühlen wir uns verloren. Demagogen aller Zeiten wußten immer um die Macht der Worte. Durch Worte machen und machten sie sich zur Meistern der Macht. Ihre Gewalt über die Worte gebiert Worte der Gewalt. Die kommen oft ganz harmlos daher. Hinter "gerechtem Volkszorn" verbirgt sich dann aber Enteignung, hinter "Sonderbehandlung" Deportation und hinter "Endlösung" Massenvernichtung. In diesen Worten ist Tod, kein Leben. II. Ganz anders aber das Wort Gottes. In ihm ist Leben. Von Anfang an.
"In ihm war das Leben, und das Leben war das Licht der Menschen."
Gott gibt uns sein Wort darauf. Sein Versprechen heißt Jesus Christus:
"Und das Wort ward Fleisch und wohnte unter uns, und wir sahen
seine Herrlichkeit als des eingeborenen Sohnes, vom Vater, voller Gnade
und Wahrheit." Doch der eine Herr "Jesus Christus, Gottes
eingebornen Sohn, aus dem Vater geboren vor aller Zeit, Gott von Gott,
Licht vom Licht, wahrer Gott vom wahren Gott, gezeugt, nicht geschaffen,
eines Wesens mit dem Vater" wird von vielen nicht erkannt. Meistens
fängt es bei dem Wort an, das man nicht stehen lassen kann, obgleich
Luther doch allen eingeschärft hat, er wußte wohl warum -
"das Wort sie sollen lassen stahn!" Die, die "Wir sehnen uns nach Offenbarung, "Er war in der Welt, und die Welt ist durch ihn gemacht; aber
die Welt erkannte ich nicht. Er kam in sein Eigentum; und die Seinen
nahmen ihn nicht auf. Wie viele ihn aber aufnahmen, denen gab er Macht,
Gottes Kinder zu werden, denen, die an seinen Namen glauben." Jesus
Christus III. Das Johannesevangelium wird einundzwanzig Kapitel lang nicht müde,
uns dies einzuschärfen. Es geht dabei von einer Unterscheidung
aus. Da sind die, die Jesus Christus als das von Anfang an eine Wort
Gottes stehen, gelten lassen und ihn darum als "Gott von Gott,
Licht vom Licht" anbeten. Und da gibt es andere. So gab es in der
frühen Christenheit etliche, die sozusagen sagten: "Am Anfang
war die Tat!" Sie meinten, Christus sei Das so genannte Apostelkonzil von 48 n. Chr. gilt, in organisatorischer
Hinsicht, als Geburtsstunde der christlichen Kirche. Zunächst blieben
die Christen aber eine innerjüdische Gruppierung. Sein Ergebnis
war, daß Paulus die Heiden missionieren, während der Apostel
Petrus sich den Juden zuwenden sollte. Offenbar war Paulus erfolgreicher
als Petrus. Zwar gab Die Antwort aus den zahlenmäßig kleinen judenchristlichen Gemeinden ließ nicht lange auf sich warten. Im Johannesevangelium, entstanden bald nach 90 n. Chr., legt der Evangelist im 8. Kapitel (8,44) Jesus diese Worte an die Juden in den Mund: "Ihr habt den Teufel zum Vater, und nach eures Vaters Gelüste wollt ihr tun." Während die Juden die Verwünschung der Nazarener aus dem Achtzehn-Bitten-Gebet strichen, blieben diese und andere Worte erhalten, auf denen der christliche Antijudaismus gründen konnte, der dann wiederum eine der Wurzeln des Antisemitismus mit seinen verheerenden Folgen war. Das müssen wir voller Scham eingestehen. IV. Diese Scham kann uns aber nicht daran hindern, das Bleibende der Johannes-Evangeliums herauszustellen. Es ist überwiegend für nicht gegen jemand geschrieben. Es will Christen Mut zum Bekenntnis machen: "Im Anfang war das Wort, und das Wort war bei Gott, und Gott war das Wort. ... Und das Wort ward Fleisch und wohnte unter uns...". Ein Bekenntnis zu haben und dazu zu stehen, richtet sich nicht gegen Andersgläubige. Es ermöglicht zuallererst Selbstkritik. Aber eben auch Vergewisserung. Und Mut zur Kühnheit des christlichen Glaubens! Die wird in der Johannes-Passion Johann Sebastian Bachs in diese Worte gefaßt: "Ich folge dir gleichfalls mit freudigen Schritten Und so bewahre der Friede Gottes, welcher höher ist denn all unsere
Vernunft, unsere Herzen und Sinne in Christus Jesus unserem Herrn. |
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