| zurück zur Wortbilder-Übersicht | |||||
| Predigt vom Heiligen Abend 2002 | |||||
| "Aber!" Mit einem kleinen Wort mischt sich die heilige Geschichte in unsere Geschichte ein. "Es begab sich aber...". "Es begab sich aber, dass ein Gebot von dem Kaiser Augustus ausging, dass alle Welt geschätzt würde. Und diese Schätzung war die allererste und geschah zu der Zeit, da Qurinius Statthalter – "Landpfleger" – in Syrien war." Ebbe in der Staatskasse. Regieren jedoch kostet Geld. Straßen wollen gebaut, Beamte bezahlt, der Lebensstil der "Landpfleger" finanziert werden. Zudem müssen die Legionen, die Soldaten, die in fernen Ländern Kopf und Kragen riskieren für die "Pax Romana", ausgestattet werden und ihren Sold bekommen. Darum muss eine Volkszählung als Grundlage zur Steuererhebung her. Neue Steuern vermutlich. Abgaben zur Steigerung der Staatsquote. Was hilft es, dass sich die Hausfrau über teure Tomaten, der Einzelhändler über den zurückgehenden Umsatz, der Unternehmer über mangelnde Nachfrage beschweren? Der Kaiser, der Staat hat seine Entscheidung gefällt. Wenn es ums Geld geht, versteht er keinen Spaß. "Und jedermann ging, dass er sich schätzen ließe, ein jeder in seine Stadt." Was bleibt also anderes übrig als sich ebenfalls auf den Weg zu
machen? Widerstand ist zwecklos – oder, vielleicht, muss man ihn
noch bei anderer Gelegenheit einsetzen. Unter dem Zwang des Gebotes
des Kaiser Augustus jedenfalls macht sich auch der Handwerker Joseph
gemeinsam mit seiner schwangeren Verlobten auf den Weg. Das muss eine
beschwerliche Wanderschaft gewesen sein mit einer hochschwangeren Frau
auf steiniger Straße. Der ganze Lebenskampf zweier Menschen, ihre
Not und Last kommt uns entgegen. Aber gerade darum, weil wir selbst
um die Härte des Lebens wissen oder sie aus der täglichen
Nachrichtenlage kennen, wird der vermeintlich weite Graben zwischen
damals und heute ganz schmal. Unter Geboten und Diktaten von Mächtigen
leiden Menschen immer wieder. Wie schnell kann es geschehen, das nicht
nur der kleine Mann mit seinem Geld und Gut, vielleicht sogar mit seinem
Leben, zur Verfügung stehen muss, wenn das Gebot eines Mächtigen
ergeht: "Da machte sich auf auch Josef aus Galiläa, aus der
Stadt Nazareth, in das jüdische Land zur Stadt Davids, die da heißt
Bethlehem, weil er aus den Hause und Geschlechte Davids war, damit er
sich schätzen ließe mit Maria, seinem vertrauten Weibe, die
war schwanger." Aber ... aber nun ist dieses Kind, das da geboren wird, nicht irgend ein Kind; es ist der ewige Sohn Gottes, es ist Jesus Christus, es ist der Heiland, der da und der so in diese Welt hineintritt. Aber das heißt doch: Er ist heingekommen in diese Welt mit all ihren Härten und Kälten, unter das Gebot, das Diktat eines politischen Machthabers, hinein in eine Welt, in der Menschen nach ihrem Wert bemessen, nach ihrem Steueraufkommen eingeschätzt werden. Und er wurde dort geboren, wo der Mist dieser Erde zum Himmel stinkt. Aber, aber das heißt doch auch, dass wir, dass du und ich, nicht allein gelassen sind in dieser Welt: Er ist auch da, und er ist bei uns. Er kennt das alles auch. Er hat das alles auch mitgemacht. Und gerade so ist er bei dir, ist er bei mir. Aber, aber nun müssen wir noch etwas verstehen, noch einen Schritt weiter gehen. Und damit fängt eigentlich erst das ganze Wunder der Weihnacht an. Das alles, diese Geburt in die Härte und Kälte der Welt hinein, diese Geburt im Stall und in der Krippe, das ist ja gar nicht geschehen ohne oder gar gegen des Willen dessen, der ihn, den Heiland, hier geboren werden läßt. Es muss doch auffallen, das in der ganzen Weihnachtsgeschichte mit keinem einzigen Wort geklagt oder gejammert wird über all die Härte und Kälte, in der hier das Leben dieses Kindes beginnen muss. Maria jammert nicht, obgleich die Umstände der Geburt erbärmlich sind. Und Josef klagt nicht, obgleich das Kind nicht von ihm ist; er sich auch nicht erklären kann, wie die Jungfrau zum Kind gekommen sein soll. Vielmehr wird er sich selbstverständlich Mutter und Kind annehmen. Das muss also offenbar alles geschehen, wie es hier geschieht. Die Volkszählung muss es geben. Das Diktat des Kaisers muss es geben. Und Maria und Josef müssen ihren schweren Weg gehen, damit das Kind geboren werde im Stall zu Bethlehem. Gott will das alles so. Augustus hat es sich sicher nicht träumen lassen, dass er Gott mit seinem Gebot dient. Er hatte ja ganz andere Pläne im Kopf. Aber, aber er hat es getan. Und Josef und Maria waren Diener Gottes als sie ihren harten Weg antraten. Gott hat das alles, diese ganze Härte, diese ganze Gewaltwelt in diesem Augenblick in seine Hand genommen und hat all dieses Harte, Dunkle, Kalte gebraucht, so wie einer ein Werkzeug gebraucht, um seine Pläne damit durchzuführen. Gott hat seine Hand ausgestreckt und hat, was hier geschah an Hartem, Dunklem, Kaltem und Gewalttätigem, zum Mittel gemacht, um uns Menschen unser ewiges Heil, uns Hilfe und Freude zu bereiten. Es gibt also keine Gewalt auf Erden, die nicht unter den Händen Gottes zum Mittel werden könnte, das uns hilft. Also haben nicht die Gewaltigen das Heft in der Hand, sondern Gott hat es in der Hand und führt es zu unserem Wohl. Menschen, Gewaltige zumal, gedenken es oft genug böse zu machen. Gott aber, macht es gut. So sagt es das Weihnachtsevangelium. Diese Wendung müssen wir gesehen haben, die Wendung, mit der Gott das Harte und Kalte dieser Welt wendet zu seinen Plänen, zu seinem Licht und zu seiner Kraft. Diese Wendung ist Weihnachten! Und diese Botschaft will nicht bei sich bleiben. Sie soll dorthin, wo sie am meisten gebraucht wird: Lesung: Lukas 2, 8-14 Nicht auszudenken, wenn die Hirten fehlen würden in der Heiligen Nacht. Denn die Hirten, die Alltagsmenschen, sind die Gewähr dafür, dass es in der Heiligen Nacht um die "Welt" geht, dass die Erde nicht in lauter Himmel aufgelöst wird. Anders gesagt: Auch in der Heiligen Nacht bleiben Wölfe Wölfe. Hirten kennen darum die Furcht. Auch hier ist der Graben schmal, der uns von ihnen trennt. Da gibt es unter den Hirten, so stelle ich mir vor, Samuel, den Erfolgreichen. Er ist der Anführer der anderen. Nach außen immer stark, voller Tatendrang und Entscheidungsfreudigkeit. Doch, so fragt er sich, was bin ich wert, wenn der Erfolg ausbleibt oder wenn ich meine Funktionen verliere? Da gibt es weiter Jakob, den Unentschlossenen. Er weiß nicht, mit wem er es etwa in politischer Hinsicht halten soll. Mit den gesetzestreuen und konservativen Pharisäern oder lieber mit den Sadduzäern, die es mit den Römern und ihrer Pax Romana halten? Oder vielleicht doch besser mit den Zeloten, den Eiferern, der jüdischen Volksfront zur Befreiung Palästinas? Jakob fürchtet auf die Falschen zu setzen. Da ist Judith, die Verbitterte. Ihr Mann hat sie verlassen. Von was soll sie leben, wie die Kinder durchbringen? Da ist der alte Simeon – wird er noch gebraucht? Wird er einen gnädigen Tod haben? Da gibt es Ismael, den Beziehungsgestreßten. Am Arbeitsplatz hat er mit Kollegen Schwierigkeiten, in seiner Ehe kriselt es. Werden sich seine Konflikte lösen lassen? Die Reihe ließe sich lange fortsetzen. Immer gehört zu ihr Saulus, der Bedrückte. Schuld hat er auf sich geladen, weil er andere, vielleicht aus Rachsucht, verfolgt, und Schwache ausgenutzt hat. Wird es für ihn Verzeihung geben und neue Gemeinschaft? Das Leben lehrt Menschen das Fürchten. In der Furcht des einzelnen spiegelt sich die Furcht des ganzen Menschengeschlechts: Wird es mit dieser Welt ein gutes Ende nehmen? Ganz offenbar wird diese furchtsame Frage, wenn sie in das Licht der Klarheit Gottes getaucht wird: Und der Engel des Herrn trat zu den Hirten, "und die Klarheit des Herrn leuchtete um sie; und sie fürchteten sich sehr." Aber, aber der Engel sprach zu ihnen: "Fürchtet euch nicht! Siehe, ich verkündige euch große Freude, die allem Volk widerfahren wird; denn euch ist heute der Heiland geboren, welcher ist Christus, der Herr, in der Stadt Davids." Menschen fürchten sich. Oft genug ist der eine sich selbst und anderen ein Wolf. Erst recht fürchten sich Menschen, wenn das Gebot, das Diktat eines Mächtigen ergeht. Dann aber sagt der Engel gerade: "Fürchtet euch nicht!" Noch aus dem Diktat eines Gewalttätigen kann Gott Gutes entstehen lassen. Wir Menschen sehen das immer wieder nicht. Wir möchten so gerne den Lauf der Welt durchschauen, möchten so gern den Plan Gottes sehen können. Doch Gottes Plan ist verborgen vor unseren Augen, er ist unergründlich. Gott aber regiert die Welt dennoch, in der Verborgenheit wohl, aber er regiert sie. Wir müssen seine Zeichen, und sind sie noch so unscheinbar, nur zu lesen verstehen. "Und das habt zum Zeichen: Ihr werdet finden das Kind in Windeln gewickelt und in der Krippe liegen." Weihnachten, das Kind , die Krippe sagen uns: Laß es dir nicht nehmen: Gott regiert, und du bist und alle Völker sind in seinen Händen und seinen Plänen wohl aufgehoben. Ja, wahrhaftig, da darf man aufatmen und fröhlich werden, da darf man lachen mit einem heiligen Lachen über all das, was an Grauenhaftem uns bedrängen und über uns hereinbrechen mag, weil wir, weil ich und du sagen können: Du Gott, Vater, Allmächtiger, durch Jesus Christus, deinen Sohn, gehst du deine Wege mit uns allen. Was sollten wir uns fürchten? Mit dieser Botschaft im Ohr weitet sich unsere Welt und eine ganze andere Welt geht uns vor unseren Augen auf: "Und alsbald war da bei dem Engel die Menge der himmlischen Heerscharen, die lobten Gott und sprachen: Ehre sei Gott in der Höhe und Friede auf Erde und den Menschen ein Wohlgefallen." Die Welt, die da über dieser Welt und Zeit aufgeht, ist die Welt Gottes. Und die Engel sagen, dass diese Welt Gottes noch viel tiefer und größer ist, als wir sie uns ausdenken können, die Engel sagen, dass sie eine Welt ist voll von den Kräften Gottes und den Lichtern Gottes und den Boten Gottes, die er ausschickt zu unseren Diensten. Diese Welt umschließt unsere Welt von allen Seiten. Wenn wir das zu sehen beginnen, dann wird unsere Welt, die Welt des Blutes und der Tränen und der Gewalt, ganz klein, weil sie ja rings umschlossen ist wie eine Insel vom Meer umschlossen wird, von den Strömen von Licht und Kraft aus der Welt Gottes. Das ist eine Welt, die wir nicht sehen, und die doch da ist, um uns ist. Sie ist eine Welt, in der alle Fragen gelöst sind. Sie ist eine Welt, in der es kein Schreien mehr und keine Tränen mehr gibt, eine Welt der Freude und der ewigen Klarheit. Sie ist eine Welt, in der alle unsere Sünden vergeben sind, bedeckt und weggelegt, und all unser Tod überwunden ist, durchbrochen und besiegt. Sie ist einer Welt, in der du und ich heute schon aufgehoben sind. Von dieser Welt her sieht Gott uns. - Jetzt sieht er uns noch in vielen Finsternissen, er sieht uns noch mit Angst beladen. Aber, aber er sieht uns doch zugleich als seine Kinder und will uns mit seinen Kräften und Lichtern nahe sein. Denn das ist die eigentliche Botschaft der Weihnacht, dass diese Welt des Vaters, die Welt der Engel, der Lichter und Kräfte Gottes nicht mehr fern und hoch über uns bleiben will, dass diese Welt nahe herbei gekommen ist. Das sagt uns das Kind in der Krippe, denn es ist aus dieser Welt gekommen zu uns, um uns zu dieser Welt die Brücke zu schlagen und mit ihr den Bund zu schließen. So ist das also gemeint mit diesem "Fürchtet euch nicht!" Es ist so gemeint, dass wir mitten drin in unserer Zeit und Welt wissen um diese andere Welt Gottes. Sie umgibt uns. Sie hält uns. Sie erwartet uns. Ihr Licht erhellt uns und fordert uns auf, selbst licht zu werden. Und so sind wir denn ermutigt und getröstet vom Evangelium der Weihnacht her in unser Leben zurückzugehen mit seinen Sorgen und Nöten, so wie es die Hirten tun werden, weil sie wissen, dass Gott uns mit seiner Welt – "Es begab sich aber..." – umgibt. Das Kind in der Krippe bürgt dafür. Und so sagt der Engel den Hirten die Botschaft, die uns allen gilt: "Fürchtet euch nicht! Siehe, ich verkündige euch große Freude, die allem Volk widerfahren wird; denn euch ist heute der Heiland geboren, welcher ist Christus, der Herr, in der Stadt Davids." Amen Stille Nacht, heilige Nacht |
|||||
| zurück zur Wortbilder-Übersicht | |||||
| STADTKIRCHE KARLSRUHE |
|
| Citykirche | |
| Pfarramt | |
| PfarrerIn | |
| Gemeindeleitung | |
| die Stadtkirche | |
| die Kleine Kirche | |
| der Wochenplan | |
| Wortbilder |