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| 1. Timotheus 3, 16 Christvesper 24.12.2007 | |||||
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Wieder einmal feiern wir Weihnachten. Wieder einmal tauchen wir ein in eine andere Welt: Vielleicht für ein paar Tage nur, vielleicht nur für ein paar Stunden, vielleicht nur für die gute Stunde, in der wir hier zusammen sind. Und doch werden wir herausgehoben aus unserer „normalen“ Welt, in der doch so vieles ganz und gar nicht normal ist. Gewiß werden wir bald wieder eingeholt werden von unser normal-unnormalen Welt. Gewiß werden wir bald wieder davon hören, sehen, lesen und sie womöglich selbst erleben: die Dinge, die dieses Leben leicht und schwer machen: gute Worte und schlimme Zeiten, Erfolg und Niedertracht, Freundschaft und Verrat, Muße und Druck, Gesundheit und Krankheit, Lachen und Trauer, Liebe und Tränen. Doch nun sind wie hier, wieder einmal, und werden herausgehoben aus unserer normal-unnormalen Welt und hineinversetzt in eine andere Welt, in der wir eine Ahnung bekommen von Gott, dem ganz Anderen. In dieser Ahnung geht es uns wie jenen ersten Christen, die die Worte niederschrieben, die für diese Christvesper als Predigttext vorgegeben und im 1. Timotheusbrief (3,16) im Neuen Testament aufgezeichnet sind. Wir stehen, wie die ersten Christen, vor einem Geheimnis, das wenigstens ansatzweise begriffen sein will: „Und groß ist, wie jedermann bekennen muss, das Geheimnis des Glaubens: Er ist offenbart im Fleisch, gerechtfertigt im Geist, erschienen den Engeln, gepredigt den Heiden, geglaubt in der Welt, aufgenommen in die Herrlichkeit.“ „Er ist offenbart im Fleisch, gerechtfertigt
im Geist“. So beginnt dieses alte Lied. Denn darum handelt es
sich – um ein Lied, in dem das Tun des dreieinigen Gottes besungen
wird. Es gibt Geheimnisse, die beginnen sich einem erst dann zu erschließen,
wenn sie besungen werden. So gewinnen sie Wahrheit. Läßt
man die Töne weg, so wird der Tonfall falsch. Die Christen sind
von vornherein – und sie sind es selbst in ihrem größten
Elend noch – eine singende Gemeinde gewesen. Wir brauchen nun
einmal besondere Töne, um zum Ausdruck zu bringen, was uns im letzten
und tiefsten bewegt und woran wir glauben. Es gibt Wahrheiten, die sind
in der Tat erst dann in ihrem Element, wenn wir uns buchstäblich
einen Vers darauf machen. Und in jedem Vers steckt auch schon ein Stück
Gesang. So laßt uns singen: „Lobt Gott, ihr Christen alle
gleich“ - Vers 1 und 2. „Er ist offenbart im Fleisch, gerechtfertigt
im Geist“. Gott bleibt nicht bei sich. Wer sich offenbar etwa überlegt hat, der macht es offenbar. Gott tut noch mehr. Er offenbart sich selbst. „Er ist offenbart im Fleisch.“ Er wählt den Weg der Menschen. Er kommt in seinem Sohn zur Welt, der, wie jeder Mensch, von einer Frau geboren wird, runzelig rot, der in die Windeln macht und Schutz braucht: „elend, nackt und bloß in einem Krippelein“. Nach menschlichem Ermessen würden wir da zunächst einmal sagen: „Da ist einer nicht recht bei Trost!“ Kein Herrscher dieser Welt macht sich freiwillig klein, keiner, der Gesetze, auf welchem Weg auch immer, erlassen kann, verzichtet so einfach auf seine Macht: „Es begab sich aber zu der Zeit, dass ein Gebot von dem Kaiser Augustus ausging, dass alle Welt geschätzt würde“. Da ist ein Herrscher bei sich, das erwartet man von ihm: Gesetze, Steuern, Berechenbarkeit. Ist ein Herrscher nicht mehr berechenbar, gerät er außer sich, werden die Regierten in der Regel ihres Lebens nicht mehr froh. Bei Gott ist das anders. Er bleibt nicht bei sich, er bleibt nicht in seinem dreieinigen Sein unter sich - und weiß doch genau, was er tut. „Er ist offenbart im Fleisch“. Gott, der ganz Andere, wird ganz der Unsere: „elend, nackt und bloß.“ Er kommt wie wir zur Welt. „Er äußert sich all seiner G'walt, wird niedrig und gering und nimmt an eines Knechts Gestalt, der Schöpfer aller Ding“. Er tut das für uns. Indem Er in unsere Welt kommt, indem Er in ihr erscheint, gibt Er uns Anteil an sich. Wir haben Ihn nötig, denn wir neigen dazu, uns nicht leiden zu können. Wir leiden darum an uns selbst. Immer wieder ertappen wir uns dabei, dass wir das Gute, das wir tun wollen, nicht tun, sondern das Böse, das wir nicht tun wollen. Darum können wir uns so oft selber nicht leiden. Und darum können wir dann auch den oder die anderen so häufig nicht leiden. Sie sind ja wie wir. Darunter leiden wir. Gott aber kann uns leiden. Er macht in Christus unser Leid darum zu seinem Leid. „Er wechselt mit uns wunderlich: Fleisch und Blut nimmt er an“. In seinem Sohn wird er einer von uns, damit wir durch ihn, Anteil an der Gegenwart Gottes in dieser Welt bekommen: „... und gibt uns in seins Vaters Reich die klare Gottheit dran.“ „Er ist offenbart im Fleisch, gerechtfertigt im Geist“. Da Gott wohlüberlegt nicht bei sich bleibt, da der dreieinige Gott nicht unter sich bleibt, sondern einer von uns wird, damit wir ganz die Seinen werden und Anteil an seiner Herrlichkeit bekommen, müssen wir nicht auf immer und ewig an uns leiden. Wir können ja zu uns sagen, denn Gott tut es ja ebenso. Wenn ein Herrscher nicht mehr bei sich ist, macht das die Regierten in der Regel wenig froh. Wenn aber der „König aller Königreich“, wenn Gott nicht mehr einfach nur bei sich, sondern ganz und gar bei uns ist und so ja und nochmals ja zu uns Menschen sagt, die wir uns oft so wenig leiden können, dann macht das froh, ganz und gar froh. Und ist Grund genug, wieder einmal, frohe Weihnachten zu feiern. Wer froh ist, singt. Und wo man singt, kann man sich ruhig niederlassen, Herz und Verstand öffnen – und die Bosheit ablegen. Wir jedenfalls machen uns wieder einen Reim, einen Vers darauf, und singen „Lobt Gott, ihr Christen alle gleich“ - die Strophen 3 und 4: III. „Er ist offenbart im Fleisch, gerechtfertigt im Geist, erschienen den Engeln, gepredigt den Heiden...“. „Erschienen den Engeln, gepredigt den Heiden“. Merkwürdig ist das: „Erschienen den Engeln“. In der Weihnachtsgeschichte erfahren wir, dass ein Engel den Hirten auf dem Feld erscheint und ihnen verkündigt, dass sie sich nicht fürchten sollen, „denn euch ist heute der Heiland geboren“. „Und alsbald war da bei dem Engel die Menge der himmlischen Heerscharen, die lobten Gott und sprachen: Ehre sei Gott in der Höhe und Friede auf Erden und den Menschen ein Wohlgefallen.“ So kennen wir die Engel. Sie erscheinen uns Menschen als Boten Gottes. Hier jedoch wird davon gesprochen, dass sich der Geoffenbarte nicht nur den Menschen zu erkennen gibt, sondern auch den Engeln erscheint. Bevor sie sich auf den Weg zu uns Menschen machen, brauchen sie offenbar selber eine Erleuchtung, Nachhilfeunterricht in göttliche Gnade. Für die Rache- und Todesengel mag das angebracht sein, doch die Menge der himmlischen Heerscharen reagiert, so ist zu vermuten, erst einmal mit Verwunderung. Wer verläßt schon freiwillig den Himmel? Wer schickt seinen Sohn mit Absicht in Zustände, die alles andere als himmlisch sind? Und unter Menschen, die aus ihren Konflikten nicht herausfinden und sich darum oft selber nicht leiden können? Gott tut es. Und die begriffstutzigen Engel erkennen den Sinn der göttlichen Tat. Gott verkehrt die Verhältnisse und will sie gerade so zurecht bringen. In seiner Menschwerdung öffnet er uns Menschen, die wir uns oft genug die Hölle auf Erden bereiten, wieder den Himmel. Wir, die wir uns am Ende so oft nicht leiden können und darum immer wieder Leiden ohne Ende produzieren, kann er so gut leiden, dass er mit uns die Rollen tauscht: „Er wird ein Knecht und ich ein Herr, das mag ein Wechsel sein!“ So öffnet er den Himmel und weist den Weg zur Herrlichkeit. Wir sind nicht dazu bestimmt, uns die Hölle auf Erden zu bereiten. Seit jener ersten Heiligen Nacht ist diese Botschaft nun in der Welt und nicht mehr totzukriegen. Die Engel haben es zuerst begriffen und den Hirten weitergesagt: „Ehre sei Gott in der Höhe und Friede auf Erden und den Menschen ein Wohlgefallen!“ Seitdem wird diese Botschaft verkündet und „gepredigt den Heiden“, also auch uns, die wir immer wieder dazu neigen, unser Leben ohne Gott bestehen zu wollen - und darüber gottlos zu werden drohen. Doch Gott läßt uns nicht los – und hält so den Himmel für uns offen. Grund genug - wieder einmal - zu singen: „Lobt Gott, ihr Christen alle gleich“ - die Verse 5 und 6. IV. „Er ist offenbart im Fleisch, gerechtfertigt im Geist, erschienen den Engeln, gepredigt den Heiden, geglaubt in der Welt, aufgenommen in die Herrlichkeit.“ „Geglaubt in der Welt, aufgenommen in die Herrlichkeit“. „Geglaubt in der Welt.“ So ist es. Obgleich diese Welt aus vielen tausenden von Wunden blutet, weil Menschen sich Unsägliches antun, obgleich so viel Friedlosigkeit über dieser Welt liegt, obgleich diese Welt voller Gottlosigkeit ist, wird an den gerade in diese Welt hineingeborenen Sohn Gottes seit der ersten Heiligen Nacht geglaubt. Steht er doch auf unserer Seite, manchmal still und unerkannt, aber doch eben bei uns – und am Ende steht er ganz und gar für uns ein.
So gehen wir den Weg Jesu mit. Er schreibt seine Geschichte in die unsere und wir schreiben unsere in die seine. Sie beginnt nackt und bloß und führt doch in die Herrlichkeit: „aufgenommen in die Herrlichkeit“. Der irdische Weg Jesu beginnnt in der Krippe und endet im Tod am Kreuz. Doch dort läßt ihn Gott nicht. Wer mit seiner Geburt den Himmel in sich trägt, ist zu einem anderen als zu einem ewig tödlichen Leben bestimmt. So dreht Gott für uns die Verhältnisse um. Auf dieser Welt mag es zwar häufig genug höllisch zugehen – doch gilt um Jesu Christi willen für eine jede und für einen jeden von uns: „Wer will mir den Himmel rauben, den mir schon Gottes Sohn beigelegt im Glauben?“ Solch ein Glaube braucht Vergewisserung. Darum feiern wir Weihnachten. Wieder einmal – und alle Jahre wieder. Wir singen dazu die alten Lieder, machen unsere Verse auf die Liebe Gottes, bringen so ihre Wahrheit in ihr Element und setzen sie gegen unsere ach so normale, und doch ganz und gar unnormale Welt: „Frohlocke, Welt, dem Tod entwunden hast du in Christ das Leben gefunden.“ Und so bewahre der Friede Gottes, welcher höher ist als all unsere Vernunft unsere Herzen und Sinne in Christus Jesus, unserm Herrn. Amen. |
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