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| Schatzsucher – Die Nacht der Lichter | |||||
| 25.Ökumenische
Weihnachtmeditation 24. 12. 2004 „Das Volk, das im Finstern wandelt, sieht ein großes Licht, und über denen, die da wohnen im finstern Lande scheint es hell.“ (Jesaja 9,1) So wird im Alten Testament, im Buch des Propheten Jesaja, der angekündigt, dessen Geburt wir heute feiern. Vordergründig betrachtet kann man nicht sagen, daß wir ein Volk sind, das im Finstern wandelt. Unsere Stromkonzerne sorgen für genügend Elektrizität, damit wir nicht im Dunkeln sitzen. Das freut dann auch den Geldbeutel des einen oder anderen Politikers wie wir jüngst erfahren durften. Und wenn einmal nicht genug Strom da ist, wird er in Frankreich oder anderswo dazu gekauft. Darum sei bei uns, so wird uns versichert, ein „black-out“ wie vor nicht allzu langer Zeit in Amerika geschehen – also, ich meine jetzt tatsächlich einen Stromausfall – nicht geben. Soweit so gut. Wir sitzen also, wenn wir wollen, nicht in der Finsternis, sondern im Hellen. Wir müssen nur auf's Knöpfchen drücken. Wo also ist das Problem? Das Problem liegt, wie so oft, nicht im Vordergrund, sondern im Hintergrund. Das wird schnell deutlich, wenn wir in unserer technisierten Welt, in der alles so klar zu sein scheint, von der Sach- auf die Bildebene wechseln. Denn, nicht wahr, im Blick auf das eigene Leben, wissen wir sehr schnell, was finstere Zeiten sind. Zeiten im Leben, in denen wir mühsam lächeln in fruchtlosen Kontakt; wenn Beziehungen verdorren und Freundschaften veröden; wenn das Vertrauen versiegt, die Hoffnung verwelkt und die Liebe leblos wird; wenn Mächtige einen immer ohnmächtiger werden lassen. Dunkle Zeiten, finstere Zeiten. Da kann man keinen Schalter umlegen und alles wird hell. Sich da selbst herauszuholen, fällt schwer, ist oft unmöglich. Wie gut ist es, wenn man da einen Menschen hat, der für einen da ist und vielleicht einfach sagt: „Irgendwo ist immer Frühling. Irgendwo ist der Sommer nicht weit. Rück ein bisschen näher. Es ist ganz leicht.“ Der christliche Glaube meint, daß uns Gott ganz nah gerückt ist – im Kind in der Krippe, im Mann am Kreuz. Daß er uns herausholt aus aller Finsternis. Wie aber sieht die aus? Die Geschichte von Adam und Eva im Paradies vom Anfang der Bibel, die wir vorhin gehört haben, geht bekanntlich weiter. Sie geht nicht besonders gut aus. Die Schlange verspricht Eva: „Wenn ihr von dem Baum der Erkenntnis essen werdet, könnt ihr gut und böse unterscheiden und ihr werdet sein wie Gott. Eva animiert dann Adam ebenfalls von dem Baum zu essen. Der Ausgang der Geschichte ist bekannt: Vertreibung aus dem Paradies. „Schluß mit lustig.“ Aber was meint sie? Mit unserer Geburt finden wir die Folgen der Fehler unserer Vormütter und Vorväter immer schon vor. Das ist so. Und es ist ein Erbe, das wir nicht ausschlagen können. Das wäre doch aber eine mehr als finstere Aussicht, wenn uns die Fehler der Vorfahren auf immer festlegen würden. Dann wäre keine Freiheit möglich. Dann gäbe es keine Veränderung mehr. Dann wäre uns zwar versprochen, wir hätten die Erkenntnis zu wissen, was gut und böse ist; aber in Wirklichkeit blieben wir immer gefangen in einem andauernden Widerspruch: „Das Gute, das ich will, das tue ich nicht; sondern das Böse, das ich nicht will, das tue ich.“ Der 24. Dezember hat als einziger Tag im christlichen Kalender zwei verschiedene Namen bekommen: „Adam und Eva“ und eben „Heiligabend“. Daß Adam auf Geheiß Evas von einem Apfel und nicht vom Baum der Erkenntnis gegessen habe, geht übrigens auf ein mittelalterliches Wortspiel zurück: „Malum e malo“, das heißt das „Böse aus dem Apfel“. Das Lied „O du fröhliche“ macht jedenfalls den Zusammenhang zwischen „Adam und Eva“ und dem „Heiligabend“ deutlich: „Welt ging verloren, Christ ist geboren.“: Durch den Sündenfall ging die Welt verloren, durch die Geburt Christi ist die Aussicht auf Rettung eröffnet. Sinnbildlich geben wir dem dadurch Ausdruck, wie wir den Christbaum schmücken. So wie wir ihn kennen, ist er etwa 400 Jahre alt und hat seinen Ursprung im Elsaß. Ende des 19. Jahrhunderts hatte er sich als Symbol für Weihnachten durchgesetzt. Die Menschen, die diesen Brauch einführten, haben sich durchaus etwas dabei gedacht. Ich will daran erinnern: Der Christbaum ist der neue Lebensbaum. Ursprünglich wurden an ihn Äpfel als Zeichen für die Sünde gehängt – und heute eben als Ersatz dafür Kugeln. Dazu werden Kerzen aufgesteckt, deren Licht die Kugeln beleuchten. Das meint: Mit Weihnachten, mit der Geburt Christi, werden selbst die menschlichen Verfehlungen in ein anderes Licht getaucht. Neues Leben wird möglich. Eine wahrhaft freudige Überraschung. Weihnachten meint: Gott kommt mit seiner Liebe zur Welt und macht neues Leben möglich. Als Erwachsener wird Jesus in der Bergpredigt sagen: „Ihr seid das Licht der Welt. Es kann die Stadt, die auf einem Berge liegt, nicht verborgen sein. Man zündet auch nicht ein Licht an und setzt es unter einen Scheffel, sondern auf einen Leuchter; so leuchtet es allen, die im Hause sind. So laßt euer Licht leuchten vor den Leuten, damit sie eure guten Werke sehen und euren Vater im Himmel preisen.“ Die sich von der Liebe Gottes anrühren lassen, werden anderen
das Leben erhellen. „Viel Kälte ist unter den Menschen, weil
wir es nicht wagen, uns so herzlich zu geben, wie wir sind.“ (Albert
Schweitzer) Bei uns aber soll es anders sein – denn: „Irgendwo
ist immer Frühling. Irgendwo ist der Sommer nicht weit. Rück
ein bißchen näher. Es ist ganz leicht.“ Dazu ist nur
Vertrauen zu dem nötig, der eines jeden Haare gezählt hat:
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