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| Predigt von Ostersonntag, 23.3.2008 | |||||
| 1.Korinther 15, 20-28 Nun aber ist Christus auferstanden von den Toten als Erstling unter denen, die entschlafen sind. Denn da durch einen Menschen der Tod gekommen ist, so kommt auch durch einen Menschen die Auferstehung der Toten. Denn wie sie in Adam alle sterben, so werden sie mit Christus alle lebendig gemacht werden. Ein jeder in seiner Ordnung: als Erstling Christus; danach, wenn er kommen wird, die, die Christus angehören; danach das Ende, wenn er das Reich Gott, dem Vater, übergeben wird, nachdem er alle Herrschaft und alle Macht und Gewalt vernichtet hat. Denn er muss herrschen, bis Gott ihm „alle Feinde unter seine Füße legt“. Der letzte Feind, der vernichtet wird, ist der Tod. Denn „alles hat er unter seine Füße getan“. Wenn es aber heißt, alles sei ihm unterworfen, so ist offenbar, dass der ausgenommen ist, der ihm alles unterworfen hat. Wenn aber alles ihm untertan sein wird, dann wird auch der Sohn selbst untertan sein dem, der ihm alles unterworfen hat, damit Gott sei alles in allem. I. Liebe Gemeinde! Noch sieht es nicht nach Ostern aus. Und doch ist die Osterbotschaft schon in der Welt: Noch sieht es nicht nach Ostern aus: „Vom Eise befreit sind Strom und Bäche Zu Ostern 1808, also vor zweihundert Jahren, erschien Goethes Faust, Der Tragödie 1. Teil. Spätestens seit jener Zeit bringt man das gern zusammen: Frühlingserwachen und die Feier der Auferstehung des Herrn. In der Natur kündige sich an und werde offensichtlich, so das gern gebrauchte Bild, was spätestens am jüngsten Tag aller Kreatur zuteil und was an Jesus Christus schon geschehen sei: Auferstehung. Doch wegen des frühen Termins in diesem Jahr sieht es noch nicht nach Ostern aus. Kaum etwas ist zu sehen von des „Frühlings holden, belebenden Blick“. Doch das ist, wenn es um die eigentliche Osterbotschaft geht, gut so. Paulus jedenfalls hätte es gefallen, warnt er doch die Korinther, ihr eigenes Erleben nicht einfach schon für die Auferstehung zu halten. Etliche unter ihnen haben es nämlich sozusagen mit Goethes Faust gehalten: „Jeder sonnt sich heute so gern. Sie feiern die Auferstehung des Herrn; Denn sie sind selber auferstanden...“. Was war geschehen? Die Gemeinde zu Korinth, an die sich Paulus hier wendet, war eine junge Gemeinde. Sie lebte noch in der Begeisterung des Anfangs. Einige unter den Korinthern waren jedoch nicht nur begeistert. Vielmehr meinten sie: Das neue Leben, das Christus schenkt, befreit von allen Leiden und allen Fragen. Wer mit Christus verbunden ist, wird nicht mehr sterben, denn sie sind selber schon auferstanden! Das Beispiel dieser Korinther hat Schule gemacht. Dass sie schon auferstanden seien, das haben dann im weiteren Verlauf der Kirchengeschichte immer wieder die Enthusiasten, die Schwärmer behauptet: Wir sind schon auferstanden! Wir sind mit dem Heiligen Geist schon ganz und gar erfüllt! Wir brauchen die Bibel nicht mehr! Wir sind frei von den Ordnungen der verfaßten Kirche! Ja, wir können neue, geistgemäße Gesetze erlassen, die der wiedergeborene, der neue Mensch zu respektieren hat! Und dann ist aus der Illusion, der neue Mensch sei schon da oder könne erzwungen werden, sehr schnell eine religiöse oder eine politische Diktatur entstanden. Paulus hält dagegen: „Nun aber ist Christus auferstanden von den Toten als Erstling unter denen, die entschlafen sind. ... Denn wie sie in Adam alle sterben, so werden sie in Christus alle lebendig gemacht werden.“ Paulus sagt also im Gegensatz zu allen, die mit der Auferstehung den Tod zu leugnen versuchen, das genaue Gegenteil – ohne Tod keine Auferstehung! Seit der Vertreibung aus dem Paradies gehören wir zunächst einmal alle einer Schicksalsgemeinschaft an: Wir sind zum Tod verurteilt. Und darum weinen wir Menschen noch, darum trauern wir noch, darum schreien wir noch nach Erlösung – und darum sieht es auch in dieser aus vielen tausenden von Wunden blutenden Welt noch nicht nach Ostern aus. II. Und doch ist die Osterbotschaft schon in der Welt. Und das ist erst recht gut so! Diese Botschaft leitet sich nicht aus eigenem Erleben ab. Wohl gibt es Menschen, die von Nahtod-Erfahrungen berichten – und davon, dass ihnen auf dem Weg zur anderen Seite ein strahlend schönes Licht entgegengeleuchtet hätte. Ein Frau hat mir einmal erzählt, sie habe eine schwere Operation zu überstehen gehabt. Dabei habe sie den Eindruck gewonnen, dass ihre Seele ihren Körper verlassen und sie den Ärzten bei der Operation zugeschaut hätte. Jedenfalls sagte sie nach überstandener Operation ihren Operateuren, sehr zu deren Verwunderung und Erstaunen, jedes Wort, das sie während der Operation miteinander gewechselt hatten. Nah am Tod vorbei war die Frau ins Leben zurückgekehrt. In solchen Berichten mag sich spiegeln, dass es mehr gibt zwischen Himmel und Erde als wir uns oft vorzustellen wagen. Doch leitet sich die Botschaft von der Auferstehung Jesu, die Botschaft von der Auferstehung der Toten nicht von solchen Erlebnissen ab. Vielmehr ist sie in der Welt, weil Menschen wie Paulus dort hineingesetzt haben. Und das ist, wie gesagt, erst recht gut so! Paulus geht dabei sogar von einer Ordnung aus, von einer Abfolge zukünftiger Geschehnisse, jedenfalls nicht von einem ewigen Werden und Vergehen: „Denn wie sie in Adam alle sterben, so werden sie in Christus alle lebendig gemacht werden. Ein jeder aber in seiner Ordnung: als Erstling Christus; danach, wenn er kommen wird, die, die Christus angehören; danach das Ende, wenn er das Reich Gott, dem Vater, übergeben wird ... damit Gott sei alles in allem.“ Wenn wir uns auf diese Vorstellung einlassen, drehen sich die Verhältnisse um. Für uns sind die Toten tot. Wenn wir einen geliebten Menschen verlieren, trösten wir uns vielleicht damit, dass er in unseren Gedanken und Gefühlen, in unseren Herzen weiterlebt. Wir trösten uns vielleicht damit, dass wir ihn jenseits der Todesgrenze wiedersehen werden. Doch wenn wir an seinem Grab stehen, wissen wir, dass er tot ist – und weinen und klagen zu Recht bitterlich. Wenn wir einen anderen Menschen von ganzem Herzen lieben, wissen wir immer, dass der Tod ein Feind ist. Wie sehr der Tod zum Feind werden kann, das wissen in diesen Tagen besonders auch jene, die in Tibet um ihre Selbstbestimmung kämpfen und dafür mit dem Tode bedroht werden. In Gewaltherrschaften und Diktaturen wird immer mit dem Tode gedroht oder er wird gar gewaltsam herbeigeführt. Als Feind des Lebens ist der Tod immer gut Freund mit seinesgleichen. Wir mögen einen geliebten Menschen beweinen, Menschen mögen eines natürlichen oder eines gewaltsamen Todes sterben, am Ende scheint immer nur der Satz zu gelten: Die Toten sind tot – und wir werden einmal, so oder so, zu ihnen gehören. Für Gott aber, und das ist das eigentlich Unerhörte der Osterbotschaft, gilt dieser Satz nicht. Für ihn sind die Toten nicht einfach tot. Gott gibt sie nicht auf. Auch sie, gerade sie, sollen gerettet und aus dem Vergessen befreit werden. Denn das könnte ja dem Tod und allen seinen Handlanger so passen, dass Gott vor ihm und ihnen kapituliert. Doch Gott ist und bleibt der Feind des Todes und der Freund des Lebens. Dieses Leben, das Leben des lebendigen Gottes, wird am Ende alles in allem sein. Angefangen hat das schon: „Nun aber ist Christus auferstanden von den Toten als Erstling unter denen, die Entschlafen sind.“ III. Noch sieht es oft genug nicht nach Ostern aus, weil wir Menschen uns von dem Sätzen regieren und einschüchtern lassen: Die Toten sind tot. Wir werden alle sterben, weil wir zum Tod verurteilt sind. Doch ist die Osterbotschaft von Paulus und anderen nun in die Welt gesetzt worden, dass Gott nicht tut, was sonst getan wird: Die Toten tot sein zu lassen. Vielmehr gilt: „Christus ist auferstanden von den Toten als Erstling unter denen, die Entschlafen sind.“ In der Taufe werden wir mit ihm verbunden. In seinem Mahl schenkt er uns Gemeinschaft mit ihm. In seinem Wort gibt er uns Trost und Weisung. Noch werden Hoffnungen und Träume, die wir haben, zerstört. Noch zwingen Schicksalsschläge, Krankheiten, Katastrophen oder eigene Fehler uns dazu, unserem Leben eine andere, oft schmerzhaft andere Orientierung zu geben, noch weinen wir, noch schreien wir nach Erlösung, noch blutet diese Welt aus tausenden von Wunden, noch fügen Menschen einander Unsägliches zu. Noch benehmen wir uns wie einst Adam im Paradies und lassen Gott nicht Gott sein. Und doch leben wir als Getaufte, als die durch Wort und Sakarament Gestärkte schon mit anderen Kräften. Wir stehen nicht einfach bloß im langen Schatten des Todes, sondern immer zugleich auch im hellen Licht des Auferstanden. Wir können uns darum dem Tod und seinen Handlangern widersetzen. Wir müssen uns von ihm und ihnen nicht einschüchtern und können Gott Gott sein lassen. Gewiß: Wir werden sterben. Wir werden wieder zur Erde werden. Aber es ist schon etwas von jenem göttlichen Geist in uns, der uns mit dem auferstanden Christus verbindet: „Jesus lebt, mit ihm auch ich! Tod, wo sind nun deine Schrecken? Er, er lebt und wird auch mich von den Toten auferwecken. Er verklärt mich in sein Licht; dies ist meine Zuversicht.“ Und so bewahre der Friede Gottes, welcher höher ist, denn all unsere Vernunft unsere Herzen und Sinne in Christus Jesus, unserem Herrn. Amen. |
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