Chorgesang statt Ballermann

     CoroPiccolo gastierte auf Mallorca mit musikalischer Reise durch Europa
   

Mallorca war das Ziel der jüngsten Konzertreise des Karlsruher Vokalensembles "CoroPiccolo" Karlsruhe unter der Leitung von Stadtkirchen-Kantor Christian-Markus Raiser. Der "kleine Chor", knapp 30 ausgesuchte Sängerinnen und Sänger, war einer Einladung des Domprobstes der Kathedrale von Palma de Mallorca, Joan Bestard, gefolgt und gastierte mit sieben, vom Goethe-Institut und der Stadt Karlsruhe unterstützen Konzerten in verschiedenen Kirchen der Urlaubsinsel. "Eine musikalische Reise durch Europa" titelte das Programm, es waren a cappella-Kompositionen von Bach, Brahms, Duruflé, Verdi, Eben, Grieg, Tschaikowski und Stanford zu hören, solistische Intermezzi setzte Theresa Fritz mit zwei Stücken für Blockflöte solo von van Eyk und Tsoupaki, den Schlusspunkt aller Konzerte bildete als Verbeugung vor Spanien als Gastgeberland eine Habanera von José Calvo. Paguera, Calvia, Cala Ratjada und die weiße Strandkirche von Playa de Palma waren Konzertstationen des CoroPiccolo Karlsruhe, ein Höhepunkt dann die Messe am Pfingstsonntag im Dom zu Palma.

Auf seinen zahlreichen Ausflügen und seinen Konzertabenden wurde der Chor, der im Kloster Lluc Quartier hatte, von Klaus Nagorni begleitet, Direktor der Evangelischen Akademie Baden, der in den neunziger Jahren als Auslandspfarrer auf Mallorca und Ibiza freundschaftliche Beziehungen zur Diözese Mallorca geknüpft hatte. Die Konzertreihe wird daher auch als Ausdruck guter Beziehungen zwischen der deutschsprachigen evangelischen Gemeinde auf den Balearen und der gastgebenden katholischen Kirche betrachtet. Die deutschen Zeitungen und das "Inselradio Mallorca" wiesen ausführlich bereits im Vorfeld auf die Auftritte des Chores hin. Entsprechend herzlich war der Empfang, beispielweise im ersten Konzert in der Kirche Porciuncula in Palma durch den katholischen Pfarrer Robert Kramer und auch durch Jutta Albrecht, Vorsitzende der Evangelischen Gemeinden auf Mallorca als Vertretung für den noch nicht benannten Evangelischen Pfarrer. "Die Menschen hier schätzen es sehr, dass junge Leute nach Mallorca reisen und Musikkultur im Gepäck mitbringen" resümierte Klaus Nagorni die Reaktion der vor allem deutschsprachigen Konzertbesucher.

Was die Konzerte für Chor und Dirigent trotz unverändertem Konzertprogramm immer sehr spannend und abwechslungsreich gestaltete, waren die örtlichen Gegebenheiten, vor allem die immer wieder verschiedene Akustik der Kirchen. Erwartungsgemäß kam diese den Sängerinnen und Sängern oft entgegen, verstärkte mit reichlichem, aber nicht zu langem Hall den akustischen Eindruck, vor allem im Dom zu Calviá. Aber auch in kleineren Kirchen wie der in Porciuncula (Playa de Palma) und der weißen Strandkirche Playa de Palma bedurfte es oft nur wenig dynamischen Einsatzes, um die Stimmen tragen zu lassen. Überraschend war die Kirche von Paguera, die kaum akustisches Feedback bot. Im Dom von Palma waren die Dimensionen dann so gigantisch, dass beim Vortrag von Altarhöhe der Eindruck entstand, man hätte den Ton nach einem Meter abgeschnitten. Nach dem Schluss jeden Stückes konnte man jedoch noch gut fünf Sekunden seinem Ton hinterherhören.... Der Eindruck der Ausführenden und der Zuhörer war aber wieder einmal ein vollkommen unterschiedlicher, kritische Stimmen wegen der Akustik waren nach dem Konzert nicht zu hören, im Gegenteil.
Es stand nicht nur Musik auf dem Reiseprogramm, zuviel Sehenswertes wäre den "Piccoli" auf der größten Baleareninsel sonst entgangen. Dass man sich Land und Leute am besten zu Fuß erschließt, wurde mit einer Wanderung auf den Berg Alaró und die Ermita Nuestra Senyora del Refugi beherzigt. Seiner Begeisterung über die Schönheit der Landschaft und den Geist des Ortes musste der Chor, oben angekommen, in einem Ständchen mit Duruflés "Ubi caritas" Luft machen.

Die Klöster des Berg Randa, der eng verbunden ist mit dem Namen des Theologen und Dichters Ramón Llull, waren weiteres Ziel einer Tagesreise und hinterließen nicht nur wegen der schönen Aussicht einen bleibenden Eindruck.
Eine Chorreise auf Mallorca wäre wohl unvollständig ohne Visite der Kartause von Valldemossa, wo Frédéric Chopin mit seiner damaligen Lebensgefährtin, der französischen Schriftstellerin George Sand, im Winter 1838/39 einige Monate verbracht hat. Die Karlsruher waren sich einig, dass es ihnen dort wohl besser gefallen hat als dem Künstlerpaar, das, wie George Sand in ihrem "Winter auf Mallorca" schildert, dort weder Linderung für des Komponisten Lungenleiden fand noch sie beglückende Lebensumstände.

Wenn einer eine Reise tut..., man kennt das Sprichwort. Das wohl knappste und beste Résumée zog eine Sopranistin der "Piccoli": " Es war zum Heulen schön!" Kann man mehr verlangen...?

Bernd Hecht

   
   
   
   
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