Die Johannes-Passion
   
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     "Zeig' uns durch deine Passion . . ." (von D.W. Plesch)
     
     Die Johannes Passion
   
voh Johann Sebastian Bach


Ein Ballett von Antonio Gomes

"Ein Mensch macht sich unbeliebt. Seine Reden sind anmassend, seine Ideen aufrührerisch, sein Verlangen widerspricht Norm und Nützlichkeit: Schwach, mitfühlend, selbstlos sollen seine Anhänger sein. Da wird er verraten, gekreuzigt und begraben." (Andreas Berger)

Carles Carreras als Jesus und Paul Valdez als Evangelist in der Johannespassion

   

 

Der brasilianische Choreograph Antonio Gomes führt in einer Zusammenarbeit des Badischen Staatstheaters mit der Evangelischen Stadtkirche Karlsruhe eines der großartigsten Werke evangelischer Kirchenmusik, die "Johannes Passion" von Johann Sebastian Bach, auf, die bereits im Rahmen der EXPO 2000 in der Hildesheimer St. Andreas Kirche als Tanzstück uraufgeführt wurde. Dabei setzt er pointiert das Ballettensemble und die Architektur des Raumes für den dramaturgischen Bogen der Leidensgeschichte Christi ein.
Der erste Teil stellt den Menschen, verkörpert durch Petrus, und den Gottessohn gegenüber. Im zweiten Teil treffen die Welt Gottes und die Gottlosigkeit, Glauben und Unglauben, Wahrheit und Lüge aufeinander.
Das Passionageschehen wird durch die Dimension des Tanzes in ein ganz anderes neues Licht gestellt.

Dieses Ballett von Antonio Gomes wird vom Ballettensemble des Badischen Staatstheaters Karlsruhe getanzt. Das Orchester CAMERATA 2000 begleitet den Bachchor Karlsruhe sowie die Solisten: Christine Wolff, Sopran / Jutta Winkler, Alt / Bernhard Gärtner (Evangelist), Tenor / Klaus Schneider (Arien), Tenor / Christof Fischesser (Christus), Bass / Egbert Junghanns (Arien), Bass.

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     Antonio Gomes
   

Choreographie, Regie und Ausstattung

Antonio Gomes stammt aus Brasilien und wurde 1956 in Sao Paulo geboren. Er begann seine Karriere als Solotänzer am Teatro Municipal in seiner Heimatstadt und setzte sie am Grand Théâtre de Genève in der Schweiz fort. Oscar Araiz, Mats Ek, Christopher Bruce, Jiri Kilian, Ohad Naharin, Robert North, Vasco Wellenkamp, Jamey Hampton, Clive Thompson, Ana Itelman, Luis Arrieta, Victor Navarro u.a. betrauten ihn mit solistischen Aufgaben.

Als Gastchoreograph arbeitete er an vielen nationalen und internationalen Bühnen, so für das Genfer Theater, das Berner Ballett, das Nationalballett von Nancy, das Ballett der Deutschen Oper Berlin, das Ballett der Staatsoper Hannover, das Tanzwerk Nürnberg, das Israel Ballett Tel Aviv, das Ballett des Teatro San Martin de Buenos Aires, das Ballett des Teatro CastroAlves da Bahia und seine bereits 71. Choreographie für das Nationaltheater Mannheim.
Auch für die Ballett-Compagnie des Staatstheaters in Braunschweig wurde Antonio Gomes schon mit mehreren Choreographien betraut ("Rebounds", "Hautnah", "Addendum" und "Jesus Christ Superstar"). Seine Werke sind inzwischen Bestandteil des Repertoires zahlreicher Theater- und Tanzkompanien, für die er Kreationen geschaffen und Wiederaufnahmen ausgewählter Ballettwerke seines Repertoires ins Leben gerufen hat.

Zu seinen Hauptwerken zählen "Fratres" (1988), "Face à Face" (1991), "Impressions" (1993), "A Fleur de Peau" (1994), "Am 8. Tag" (1994), "Rebounds" (1994), "Vertiges" (1996), "Uma Outra Luz" (1997), "Forever" (1998), "Tangoneon" (1999), "Psalmensymphonie" (1999), "Inner Drift" (2000), "Johannes-Passion" (2000), "Ein Sommernachtstraum" (2001), die Tango Oper "Maria de Buenos Aires" (2001) und "Le Sacre du Printemps" (2002).

Seine Choreographien wurden 1981 mit dem ersten Preis des Internationalen Wettbewerbs für Choreographie in Nyon (Schweiz) und 1992 bei dem Internationalen Choreographenwettbewerb in Hannover ausgezeichnet. Neben der Sparte des Balletts arbeitet Gomes ferner für die Oper, für Musicals, Film und Fernsehen.

Mit der Johannes-Passion stellt sich der Choreograph zum ersten Mal dem Karlsruher Publikum vor.

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     Auszüge aus Pressestimmen
   

"Bach und Ballett: die beeindruckende Aufführung der Johannes-Passion beweist, wie überzeugend sich barocke Klänge mit zeitgenössischem Bewegungstheater kombinieren lassen. [...] Symbolhafte Poesie, kraftvolle Präsenz können hier Gefühle von erschütternder Intensität zum Ausdruck bringen. Der brasilianische Choreograph, Antonio Gomes, vom Staatstheater Braunschweig dient mit nahezu mystischer Eleganz Bach, dem Werk und somit dem begeisterten Publikum. Ergriffener, sich stetig steigender Applaus erfüllte lange die Andreaskirche." HILDESHEIMER ALLGEMEINE 10.07.2000

"In Hildesheim gab es ein Passionsspiel in höchstem Sinne zu erleben, das in seiner ergreifenden Wirkung und seiner künstlerischen Geschlossenheit ohne Beispiel ist." ALFELDER ZEITUNG 11.07.2000

"Das Publikum reagierte auf Gomes´ klug und bewegend entwickeltes Stück Passionsgeschichte zurecht mit anhaltender Begeisterung." BRAUNSCHWEIGER ZEITUNG 14.04.2001

"Warum nicht immer so? Diese Frage drängt sich auf nach dem Genuss einer getanzten Johannes-Passion." EVANGELISCHE ZEITUNG 16.07.2000

   
     Aufführungstermine
    Die Aufführungstermine sind am Gründonnerstag, 28. März 2002, 20 Uhr, Karfreitag, 29. März 2002, 19 Uhr, Karsamstag, 30. März 2002, 19 Uhr jeweils in der Stadtkirche Karlsruhe. Karten sind über das Badische Staatstheater Tel. 933 333 erhältlich.
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    "Zeig' uns durch deine Passion . . ."
    Bachs Johannes-Passion mit Ballett

In der Evangelischen Stadtkirche Karlsruhe wurde an drei Abenden der Karwoche 2002 die "Johannes-Passion von Johann Sebastian Bach" aufgeführt. So der Name des Ballettstücks von Antonio Gomes (Uraufführung Hildesheim 2000), das hier in einer organischen Kunsteinheit mit der konventionell und life musizierten, in Text und Partitur unveränderten Passion BWV 245 (Fassung von 1724) als authentisches Musiktheater geboten wurde. Das Projekt wurde von Kantor Christian-Markus Raiser, dem Kantor der Ev. Stadtkirche, mit dem Ballettdirektor des Badischen Staatstheaters Karlsruhe, Pierre Wyss, zusammen entwickelt. Zur Gemeinschaftsproduktion der Johannes-Passion trug das Staatstheater mit seinem Ballett und mit aufwändiger Bühnentechnik bei -- Gomes war für die Choreographie, Inszenierung, Konzeption, Ausstattung und Lichtregie verantwortlich --, während Raiser den Musizierapparat aus Bachchor Karlsruhe, Camerata 2000 und Vokalsolisten organisierte und die Gesamtleitung innehatte. Als Stimmsolisten agierten Bernhard Gärtner (Evangelist), Christof Fischesser (Christus), Christine Wolff (Sopran), Jutta Winkler (Alt), Klaus Schneider (Tenor), Egbert Junghanns (Bass).

Neben den Bericht der Bibel und die musikalische Interpretation durch Bach tritt die Choreographie als Drittes. Gomes geht nicht auf theologische oder mythologische Details ein; seine weitgefaßte Auslegung führt die Menschlichkeit Christi vor Augen und macht die Passion Jesu zu einer Leidensgeschichte aller Menschen. Die Struktur der Bachschen Musik schlägt sich mit der von Gomes verwendeten modernen Bewegungssprache in verschiedenen Darstellungsweisen nieder: Turbachöre und Choräle werden von Gruppentanz begleitet, die Rezitative (Evangelist, Worte Jesu u.a.) von einzelnen Tänzern mehr gestisch-expressiv vorgeführt, während die Arien eine persönliche Deutung im Solotanz erfahren. Das Fehlen inszenierter Gegenwartsbezüge fördert die Konzentration auf das biblisch bezeugte Geschehen.

Die Bühne mit ihren beiden unterschiedlich hohen Ebenen war für die Bewegungen von sechzehn Tänzern und einigen Statisten ausgelegt. Sie überdeckte den ganzen Altarraum mit Altar, Stufen und Kanzel. Dennoch blieb die Aura des Kirchenraumes mit der Blickrichtung auf das hohe Tor zur Apsis, in der das nun als Stahlfachwerk ausgeführte Kreuz hing, erhalten. Eine Treppe hinunter in den Mittelgang ermöglichte es, in einigen Szenen das Spiel in den Zuschauerraum zu tragen. Chor, Solisten und Orchester, gewohnt, sonst in Konzerten kirchenmittig Aufstellung zu nehmen, wurden zur Seite gedrängt und paßten sich auch hinsichtlich der Akustik der Situation an. Nur der Evangelist mit einer Continuo-Gruppe und der Sänger der Christus-Worte fanden auf zwei seitlichen Türmen ihrer musikalischen Bedeutung angemessene Orte. Mit einer über der Bühne schwebenden Großbildprojektionswand wurde die Sicht auf die Szene für die hinteren der rund tausend Sitzplätze verbessert.
Drei ausverkaufte Vorstellungen, dreimal lang anhaltender, herzlicher bis begeisterter Beifall und eine Presse, die neben insgesamt lobender Kritik für Musik und Tanz auch nachdenkliche Betrachtungen zum Passionsthema anstellte.
Hier liegt die neue Erfahrung und die vielerorts schon ergriffene Chance der Kirche: mit lebendig vermittelter und damit auch nachempfundener Kunst der Verkündigung den Weg zu öffnen und auch für die Säkularen eine gewisse Tradition und Prägung christlicher Kultur aufrechtzuerhalten. Dieser Aufgabe will die Evang. Stadtkirche Karlsruhe mit ihrem lebendigen Kulturprogramm entsprechen.

(Bühnenfotos und Videos der Johannespassion können beim Badischen Staatstheater angefordert werden. Weitere Auskünfte im Kantorat Tel + Fax 0721/9204917 oder mit e-mail: christian.raiser@inka.de).

d. w. plesch