Die neue Rémy-Mahler-Orgel

     von Dr. Martin Kares, Orgelsachverständiger der Badischen Landeskirche
   


Dr. Martin Kares, Orgelbaumeister Rémy Mahler, Christian-Markus Raiser

Der Respekt vor dem Erbe der Steinmeyer-Orgel und der zwischenzeitliche gewandelte Ausbildungsstand bei den Organisten hinsichtlich historischer Aufführungspraxis ließ die Idee einer Chororgel reifen, welche neben besonderen klanglichen und spieltechnischen Eigenschaften auch die Möglichkeiten des Musizierens in Gottesdiensten und Konzerten vervielfältigen sollte. Dabei bot sich beim Blick in die Orgellandschaft der Region an, eine Hommage an die ursprüngliche Silbermann-Orgel der Stadtkirche zu komponieren. Der Blick auf die Orgeldisposition zeigt denn auch, dass das Oberwerk der Silbermann-Orgel quasi kopiert und durch verhältnismäßig wenige Register ergänzt wird. Die Register des Oberwerkes bilden mit denjenigen des „Resonance“-Manuals das Hauptwerk. Ein Koppelmanual fügt daher diese beiden klanglichen Teilbereiche zusammen.

III. Manual Oberwerk (Positif)

Bourdon 8´
Prestant 4´
Flute 4´
Nazard 2 2/3´

Doublette 2´
Tierce 1 3/5´
Larigot 1 1/3´
Fourniture III
Cromorne 8´
Tremblant doux

II. Manual Resonance

Coppel 16´
Montre 8´

Flute a´ cheminee 8´
Gambe 8´
Flute a´fuseau 4´
Cornet V
Trompette 8´
Tremblant doux

I. Manual (Koppelmanual) Hauptwerk/Grand Orgue

Pedale

Coppel 16´ Transmission
Montre 8´ Transmission
Flute 8´
Flute 4´ Transmission
(Bombarde 16´ vorbereitet)
Trompette 8´ Transmission

Koppeln: Positif/Pedale, Resonance/Pedale

Der expressive Entwurf des Orgelbauers formt aus der Orgel eine gen Himmel strebende Skulptur, die im zeitgenössischen Orgelbau bislang so keine Parallele hat. Der hoch betagte Architekt des Wiederaufbaus der Stadtkirche, Herr Prof. Linde, gab hierzu vor einem hochrangig besetzten Gremium (Staatliches Hochbauamt, Denkmalamt, Kirchenbauamt) seinen ausdrücklichen Segen. So besteht nun das Orgelgehäuse aus Ahorn (Unterbau), Kirsche (Verblendungen der Pfeifentürme) und mit weißfarbenem „Stukko“ gefassten Zwischenflächen.

Die äußere Gestalt des Instrumentes in Form eines Turmes mit zwei Schauseiten führte zu einer besonderen Innenkonstruktion: Die beiden großen Windladen der C und Cis-Seite des Hauptwerkes liegen nicht wie üblich neben- sondern hintereinander. Dadurch musste etwa die Registertraktur quasi verdoppelt und die Spieltraktur für beide Laden V-förmig schräg nach oben geführt werden. Während die Elemente der Spieltraktur eiscnließlich der Klaviaturen extrem ausgedünnt und gewichtsreduziert wurden, um ein möglichst sensibles Spielgefühl zu erreichen, verschlang die Registermechanik einen halben elsässischen Eichenwald.

Das Pfeifenwerk stammt aus Mahler´scher Herstellung und weist einige Besonderheiten auf: Die gegossenen Zinn-/Bleiplatten für die Pfeifen sind mit einer speziellen Hammerschmiedetechnik verdichtet und auf die exakte Wandungsstärke gebracht worden. Verschiedene ungewöhnliche Details gerade beim Pfeifenbau erschließen sich erst im Orgelinneren – so etwa die „doppelt bombierte“ Körperform der Rohrflöten.

Die Keilbalganlage im Treppenhaus ist mit einer pneumatischen Aufblasvorrichtung ausgestattet, die den Motorwind vom eigentlichen Pfeifenwind trennt. Dadurch erhält der Orgelklang eine besondere Ruhe und Elastizität, welche dem gewählten Orgelstil in besonderem Maße entgegenkommt.

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