KirchenTräume in der Stadtkirche Karlsruhe
     Ein Beitrag von Dr. Dieter Splinter zur aktuellen Ausstellung 
   
"Nistplätze" von Renate Behla "Kirchenträume" -
was kann man damit verbinden?
Einen Traum von Kirche?
Träume in der Kirche während des Kirchenschlafs?
Träume von Räumen? Tagträume?
Botschaften des Unterbewussten, erklärbar nur für Psychoanalytiker,
die es auch mit religiösen Neurosen
zu tun haben: Kirchenalpträume?
Oder sind Träume sowieso bloss Schäume?
"Nistplätze" von Renate Behla
     
     Träume in der Bibel
    Die Bibel berichtet von Träumen und ihrer Deutung. In Jakobs Traum von der Himmelleiter öffnet sich ihm der Himmel. Josef, von seinen Brüdern als "Träumer" eingestuft, kommt durch seine Fähigkeit, Träume zu deuten, zu Macht und Einfluss. Saul erhält von Gott im Traum keine Antwort, während Gott dem Propheten Samuel im Traum erschien und anspricht:" Bitte, was ich dir geben soll!"
     
     Wenn der Schlaf auf die Menschen fällt
    " Im Traum, im Nachtgesicht, wenn der Schlaf auf die Menschen fällt, wenn sie schlafen auf dem Bett, da öffnet er das Ohr der Menschen und schreckt sie auf und warnt sie, damit er den Menschen von seinem Vorhaben abwende und von ihm die Hoffahrt tilge und bewahre seine Seele von dem Verderben und sein Leben vor des Todes Geschoss. So klärt Elihu seinen Freund Hiob über das wohlwollende Traumtun Gottes auf. Hiob aber hat andere Erfahrungen gemacht und teilt sie Gott klagend mit: "Wenn ich dachte, mein Bett soll mich trösten, mein Lager soll mir meinen Jammer erleichtern, so erschreckst du mich mit Träumen und machst mir Grauen durch Gesichte..."
     
     Die Verheissung im Traum
    Manche Propheten erzählen "falsche Träume", Nebukadnezar hingegen hat einen wahren Traum, den allerdings nur Daniel deuten kann. Dieser sieht den "Menschen Sohn" kommen "mit den Wolken des Himmels". Die Verheissung des Propheten erfüllt sich so: Josef bekommt im Traum den Auftrag,"Maria, deine Frau, zu dir zu nehmen; denn was sie empfangen hat, das ist von dem Heiligen Geist". Ebenfalls im Traum erfährt Josef den Auftrag zur Rückkehr aus Ägypten. Auch die Weisen aus dem Morgenland bekommen im Traum ihre Weisung.
     
     Träume und Räume
    Das griechische Wort "ekklesia" wird in der Lutherbibel durchgängig mit "Gemeinde" nicht mit "Kirche" übersetzt. Wären "Gemeinde-Träume" das Thema gewesen, hätten sich wohl weitaus weniger Künstlerinnen und Künstler an dem Wettbewerb zu dem Projekt "KirchenTräume" beteiligt.
     
     Der Kirchenraum aber weckt "KünstlerTräume"...
    Das ist für die Gemeinden an der Sadtkirche in Karlsruhe nicht neu. Seit acht Jahren führen wir regelmässig pro Jahr bis zu vier Ausstellungen mit sozialen und historischen Themen und vor allem Kunstausstellungen durch. In der Regel gibt es einen Vorlauf von einem Jahr. Diese Zeit wird für einen Dialog mit dem Künstler/der Künstlerin genutzt. Das Begleitprogramm wird häufig gemeinsam erarbeitet, über Gottesdienste mit den Künstlern gesprochen.Bei dem Projekt "KirchenTräume" war es anders. Eine Jury hat zwei Objekte für die Stadtkirche ausgesucht: "Nistplätze" von Renate Behla, Düsseldorf und "Brennender Dornbusch" von Michael Bacht, Heidelberg.
     
     Die Kunstwerke
   
Bei der Arbeit von Michael Bacht handelt es sich um eine "Assemblage aus bedornten Ästen der Bitterorange", die mit einem Laserstrahl abgetastet wird.
Der biblische Bezug zu 2. Mose 3 ist unverkennbar. Der Künstler interpretiert sein Werk so: " Diese Installation lenkt den Blick auf eines der am meisten faszinierenden Bilder des Alten Testaments, das obwohl real vorstellbar etwas Unwirkliches behält, sodass es einem Traumbild gleicht: Moses Erscheinung des Gottes im brennenden Dornbusch.
Ich interpretiere die Botschaft dieses Bildes so:Die Anwesenheit Gottes auch im Unscheinbarsten, die Erfahrung des Göttlichen im am wenigsten erwarteten Moment".
"Dornbusch"- von Michael Bacht
 
     
   
"Nistplätze" von Renate Behlahe

Renate Behla beschrieb ihre Installation in ihrem Wettbewerbsbeitrag für die Jury folgendermassen:" Innenraum: ca 18 "Vogelhäuschen" werden hoch an die Säulen (Bäume) gehängt. Die Form und Ausführung der "Seelenhäuschen" ist betont sachlich." Auf meinen Einwand hin, dass insbesonderer der Ausdruck "Seelenhäuschen" auf mich doch einigermasen esotierisch wirke, präzisierte die Künstlerin ihre Aussagen: " Das Haus, die Kirche, das Gottes-Haus als Zuhause, als Heimat. Dabei ist zuallererst an eine geistig-seelische Geborgenheit gedacht. Der Vogel - als Geist/Seele - Symbol, als Mittler zwischen Himmel und Erde, der Gott und den Menschen geistige Botschaften/Träume vermittelt und mich emporträgt. Der Vogelgesang "ist auch als Hymne/Lobpreisung Gottes uns seiner Schöpfung zu verstehen."

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